Richtiges Lüften von Räumen wegen Corona und danach

Zweitwichtigste Schutzmaßnahme vor Coronaviren ist das Lüften von Büros und Räumen, da Aerosole das Hauptproblem sind. Die Virenlast soll gering gehalten werden.

 

Stoßlüftung mit Querlüftung, auch über den Flur, ist die effektivste Lüftungsart, kühlt den Raum am wenigsten aus. Wer im Kalten sitzt hat falsch gelüftet, und schädigt damit die Umwelt. Fenster auf Kipp stellen ist kein Lüften.

 

Die wichtigste Schutzmaßnahme: nicht anhusten oder anniesen.

 

Ich rate von mobilen Raumlüftern (auch mit HEPA 14) ab, da sie die Luft nur umwälzen, die verbrauchte Luft aber nicht gegen Sauerstoffzufuhr austauschen. Eine ausreichende Sauerstoffzufuhr erhält man über die vom BAuA und von den BGen empfohlenen Lüftungsmaßnahmen. Außerdem muss die Feuchtigkeit abgeführt werden. Außerdem ist es nicht nachhaltig gedacht.

 

Der Arbeitsschutz sieht Luftfilter nur als zusätzliche Lösung an. Die Wirksamkeit von Luftfiltern unter realen Bedingungen ist nicht nachgewiesen.

 

Nur ein hoher Luftaustausch senkt die Virenlast, schützt vor Ansteckung durch die Viren, die sich in der Raumluft in der Schwebe halten. Strömungstechniker sprechen von 6fachem Luftwechsel pro Stunde, die BAuA und BGen von 1000 ppm, die erheblich unterschritten werden sollen. Für Schulen gilt die Empfehlung, 700 ppm zu unterschreiten.

 

In Schulen die Pausen durchlüften ist eine unsinnige Empfehlung, z.B. vom Umweltbundesamt. Kühlt zu sehr aus, bringt fast nichts, außer dass es die Umwelt schädigt.

 

Empfehlungen für Räume ohne RLT-Anlagen (Raumlufttechnische Anlagen):

 

Büroräume sollen dreimal stündlich stoßgelüftet werden. Zusätzlich mit Querlüftung geht es am schnellsten, kühlt den Raum am wenigsten aus.

 

Die Lüftung von Besprechungsräumen hängt stark von der Größe des Raumes ab. Eine sinnvolle Lüftungsmaßnahme sind ein bis zwei gekippte Fenster und zusätzliche Stoßlüftung halbstündlich bei gleichzeitiger Querlüftung zum Flur. Auch hier ist die Lüftung von Treppenhaus und Flur wichtig. Reine Stoßlüftungsaktionen werden, so vermute ich, in der Praxis nicht durchgeführt werden.

 

Werden Besprechungsräume oder während Meetings die Räume nicht stoßgelüftet sondern bleiben die Fenster ständig gekippt, reicht dieses nicht aus. Bei meinen Messungen stiegen die CO2-Konzentrationen immer an, erreichten zu hohe Werte. Ohne Stoßlüftung geht es nicht.

 

Flure in Schulen müssen besonders gut gelüftet werden, damit die Klassenzimmerlüftung schneller erfolgt. Allerdings reichen wenige gekippte Fenster im gesamten Gebäude aus.

 

In Schulen darf niemals die gesamte Pause gelüftet werden. Folgen Sie nicht anderen Empfehlungen, z.B. in Pausen durchzulüften (was für ein Unsinn, siehe auch meine Lüftungskurven).

1-2 Minuten zu Beginn und Ende einer längeren Schulpause sind viel sinnvoller als durchzulüften. Dann reicht eine Lüftungspause von 2-3 Minuten während der Unterrichtsstunde aus. Sonst würden die Räume viel zu stark auskühlen, bringt für den Luftaustausch viel weniger als häufiges aber sehr kurzzeitiges Lüften, 2-3 Minuten je Lüftungspause bei Stoßlüftung mit Querlüftung reichen aus.

 

Verabschieden wir uns von dem Begriff "einmal gründlich lüften". Gewöhnen wir uns häufiges kurzzeitiges Lüften an, für die nächsten Jahre.

 

Für große Verwaltungsgebäude ist die Lüftung des Haupttreppenhauses bzw. auch der Nebentreppenhäuser sehr wichtig. Ein Fenster muss je Treppenhaus oben gekippt sein. Durch den ganz normalen Geschäftsbetrieb wird dadurch eine sehr gute Lüftung des Treppenhauses erreicht. Dadurch werden auch ebenfalls durch den normalen Geschäftsbetrieb die Flure vom Treppenhaus abgehend automatisch gelüftet. Die Büroräume müssen dadurch nur kurzzeitig, aber mehrmals die Stunde, gelüftet werden. Am besten wird dazu gleichzeitig die Zimmertür geöffnet, was die Lüftungszeit erheblich verkürzen kann, weil Querlüftung genutzt wird.

 

In Kindergärten reichen ebenfalls nur wenig gekippte Fenster auf den Fluren oder zentralen Bereichen, von denen die Räume abgehen, aus. Wohl denen, die solche Fenster haben. Zusätzlich wird in den Gruppenräumen mindestens stündlich stoßgelüftet (2-3 Minuten reichen), bei geöffneter Flurtür, um eine gute Querlüftung zu erreichen. So kühlen die Räume nur wenig aus. Durch die vielen Türbewegungen wird eine gute Durchlüftung erreicht.

 

Lüftung von Arztpraxen, Friseursalons und ähnlich großen Räumen erfolgt am besten mit ein bis zwei gekippten Fenstern. Zusätzlich wird stündlich stoßgelüftet. Dadurch und durch die ständige Benutzung der Gebäudeeingangstür durch Besucher oder Patienten erfolgen laufend effektive Querlüftungen. Bei üblichen Arbeitsabläufen, wenn die Mitarbeiter gleichzeitig Lüftungsmaßnahmen als wichtig ansehen und diese dann beherzigen, bleibt man häufig unter 700 ppm CO2. 1000 ppm sind mit wenigen Aktivitäten machbar. Das haben mir meine Messungen der letzten 13 Monate gezeigt.

 

Lüften von Bewohnerräumen in Pflegeeinrichtungen und anderen Räumen des betreuten Wohnens ist ein schwieriges Thema, da die Bewohner sicherlich nicht ausreichend lüften werden. Das Ansteckungsrisiko für Mitarbeiter ist dadurch sicherlich hoch. FFP2-Masken reduzieren das Risiko, verlängern die mögliche Aufenthaltsdauer des Mitarbeiters. Jeder Mitarbeiter sollte aber, wenn er ein Bewohner-, Klienten- oder Patientenzimmer betritt, kurz und heftig lüften. Alle Fenster kurz aufreißen, und die Zugangstür wenn möglich geöffnet lassen, damit möglichst viel Durchzug entsteht. 2-3 Minuten werden reichen. Gemeinschaftsräume müssen, evtl. entgegen der Äußerungen und Wünsche der Bewohner, häufig und kurz gelüftet werden. Ein Fenster wird in Gemeinschaftsräumen immer gekippt sein müssen. Hier ist die Initiative und Durchsetzungskraft der Pflegekraft gefordert. Die Zeit zum Lüften muss sein, damit verhindert man Ausbrüche in Pflegeheimen.

 

In einem Gebäude, ob Schule oder private Wohnung oder privates Haus, ergibt sich nach Stunden in allen Räumen die gleiche CO2-Konzentration, wenn die Innentüren geöffnet bleiben. In allen Etagen stellt sich die gleiche Konzentration ein. Innerhalb eines Raumes dauert der Konzentrationsausgleich wenige Minuten.

 

Die wirksamste Lüftung ist Stoßlüftung mit Querlüftung, also Erzeugung von Durchzug. Damit wird es im Raum nur unwesentlich kühler. Und er heizt schnell wieder auf.

 

Klimaanlagen und technische Lüftungsanlagen sollen mit möglichst viel Zuluft (Frischluft) und wenig Umluft gefahren werden. In den meisten Fällen werden die Filter dieser Anlagen Viren nicht herausfiltern können. Was für Bakterien gilt trifft für Viren noch lange nicht zu. Denn diese sind 10fach kleiner. Der VDMA Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau gibt ausführliche Empfehlungen zum richtigen Lüften mit raumlufttechnischen Anlagen (RLT-Anlagen).

 

 

Stand: 19.09.2021

 

Lüftungsmaßnahmen im Pkw

1000 ppm CO2 sollen erheblich unterschritten werden, für Schulen wurde ein Wert von 700 ppm festgelegt. Diese Vorgaben können in einem Pkw leicht eingehalten werden, wenn zwei Personen zusammen fahren. Eine Ansteckung ist über Aerosole also unwahrscheinlich.

 

Voraussetzung ist, dass die Lüftung mäßig eingestellt wird. Und zwar gerade so stark, dass keine Zuglufterscheinungen eintreten. Denn Bindehautentzündungen durch zu starke Zugluft sind eher nicht gewünscht. Leichte Luftbewegung muss aber zu spüren sein. Das zeigen viele Messkurven, die ich während Pkw-Fhrrten gemacht habe.

 

Fahrzeuge sollten vor jedem Fahrtantritt kurz (1 Minute) durch weit geöffnete Türen gelüftet werden. Das gilt besonders für Dienstfahrzeuge, da man vermutlich nicht weiß, wann zuletzt das Fahrzeug gefahren wurde.

 

Bleibt das Risiko der Tröpfchenbildung im Nahbereich durch das Sprechen. Da sind Masken weiterhin sinnvoll.

 

Es folgen Messdiagramme ausgeführter Messungen. Die grünen Kurvenverläufe stellen die CO2-Werte dar, rot die Temperatur, blau die relative Luftfeuchte.

 

 

Stoßlüftung bei sehr niedriger Ausgangsbelastung und höherer Temperaturdifferenz:

 

 

Stoßlüfung bei mäßiger Ausgangsbelastung und geringer Temperaturdifferenz:

 

 

Stoßlüftung - typischer Kurvenverlauf in einem Einzelbüro

Die ersten 2 Minuten der Lüftung sind die Wirkungsvollsten, bringen grob geschätzt

50 % ppm-Reduzierung gegenüber einer 15 minütigen Lüftung. Also keinesfalls länger als 5 Minuten lüften. Das gilt für die gesamte kalte Jahreszeit.

 

Stoßlüftung mit Querlüftung hätte eine schnellere Lüftung zur Folge, 2 Minuten würden je nach Querlüftungsintensität 70 bis 90 % bringen. 90 % bedeutet allerdings heftige Zugluft. Man wird das Zimmer bei dieser intensiven Lüftung verlassen wollen.

 

 

Stoßlüftung eines Besprechungsraums

Drei Fenster wurden weit geöffnet, bedeutet fast die gesamte Längsseite des rechteckigen Raumes von 42 m2, bedeutet also sehr viel Fensterfläche. Schon die erste Minute brachte 50 %, die zweite 25 %, die restlichen drei Minuten die restlichen 25 %.

 

 

Besprechung von zwei Personen in großem Konferenzraum (42 qm) mit zwei Türlüftungsphasen, ein Fenster gekippt:

 

 

Besprechung von 6 Personen, ein Fenster wurde um 13.39 Uhr auf Kipp gestellt, der Wert stieg weiter, bis sich ein Gleichgewicht einstellte.

 

 

Typische Rundfahrt per Pkw zu zweit (!) zu mehreren Schulen mit Begehungen

 

In der Zeit der Pandemie ist ein Zielwert von 700 ppm CO2 anzustreben.

 

Mit anderen Worten, 700 ppm sollen zu keiner Zeit überschritten werden.

 

 

 

 

 

Wird nicht stoßgelüftet, muss permanent gelüftet werden. Typisches Beispiel dafür sind Restaurants ohne technische Lüftung.

 

Die Überprüfung der Wirksamkeit ist mit einfachem Mittel mittels einer Kerze möglich. Diese muss sich leicht bewegen oder flackern, so wie im Bild angedeutet.

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Infektionsschutzgerechtes Lüften - 2020.
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Coronavirus - Lüften in Räumen - BGHM 20
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Lüftungsverhalten - BG Verkehr 2020.pdf
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Coronavirus - Raumlufttechnische Anlagen
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Coronavirus - Handlungshilfe Lüftungstec
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